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Avatar von Bernhard Erne

Ihr vergesst die Jordan-Taufe! Die Epiphanie. Die Tatsache, dass sich das Christuswesen erst bei der Taufe mit dem 30-jährigen Jesus von Natareth verbunden hat (die Taube ist das Bild dafür). Nicht 30 Jahre früher. Erst nach der Taufe wird er vom Geist in die Wüste geführt (Markus 1,12), vom Widersacher versucht (Matth 4), schart er Jünger um sich (Joh 1,37 ff), beginnt zu lehren (Lukas 4,14) und zu heilen (Lukas 4,31) etc. Die ersten 30 Jahre gibt es noch keinen "Jesus Christus". Erst nach der Jordantaufe für 3 Jahre bis zur Kreuzigung kann man von "Jesus Christus" reden. (Länger als diese 3 Jahre hätte diese Verbindung gar nicht bestehen können.) Das ist ja auch der Grund, warum von den ersten 30 Jahren so wenig in den Evangelien steht.

Hätten die Kirchen und die Theologen das nicht so vermischt, wären vielleicht in den vergangenen Jahrzehnte nicht ganz so viele Menschen ausgetreten. Ich halte es für sehr ungeschickt, dass die Namen "Jesus", "Christus", "Gott" so undifferenziert verwendet werden, und erst recht, dass Jesus von Nazareth nicht als der Christus-Träger erkannt wird.

Unser Erlöser ist der Christus! Darum heißen wir "Christen" (und nicht "Jesuten"), und die Religion heißt Christentum (und nicht Jesus-tum). Ist das so schwierig zu verstehen?!

Avatar von Simon

Vielen Dank für Ihren Kommentar! Sie sprechen einen wichtigen Punkt an: Das öffentliche Wirken Jesu beginnt tatsächlich erst nach der Jordantaufe. Die Berufung der Jünger, die Lehrtätigkeit, die Heilungen, all das setzt danach ein. Das ist eine richtige Beobachtung.

Die Begriffe "Christuswesen" und "Christus-Träger" sowie die Vorstellung einer zeitlich begrenzten Verbindung kenne ich allerdings vor allem aus der anthroposophischen Tradition Rudolf Steiners. Ich möchte darauf hinweisen, dass sich diese Lehre grundlegend von dem unterscheidet, was die christlichen Kirchen bekennen.

Das Nizänische Glaubensbekenntnis, um das es im Artikel geht, lehrt, dass der Sohn "eines Wesens mit dem Vater" ist und "Fleisch geworden ist". Nicht: für drei Jahre in einen Menschen eingezogen ist. Die Kindheitserzählungen bei Lukas bezeugen Jesus bereits als Säugling als Sohn Gottes (Lk 1,35), und der Zwölfjährige im Tempel spricht vom Haus "seines Vaters" (Lk 2,49). Das alles liegt vor der Jordantaufe.

"Christus" ist dabei die griechische Übersetzung von "Messias" (der Gesalbte). Es bezeichnet keinen separaten Geist, sondern ist ein Titel. "Jesus Christus" bedeutet: Jesus ist der Messias.

Die Vorstellung, dass sich bei der Taufe ein separates Christuswesen mit dem Menschen Jesus verbunden habe, wurde bereits in der frühen Kirche verworfen (ähnliche Lehren vertrat etwa Cerinth im 1. Jahrhundert). Die Jordantaufe wird in der kirchlichen Tradition als Theophanie verstanden: eine Offenbarung dessen, wer Jesus von Anfang an war, nicht eine Verwandlung in jemand anderen.

Die anthroposophische Christologie ist eine eigenständige spirituelle Lehre, die sich vom christlichen Glaubensbekenntnis unterscheidet. Der Artikel bezieht sich auf das, was die Kirche lehrt.

Avatar von Bernhard Erne

Alles klar. Danke!