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Avatar von Andreas Kovar

Ja, man kann Menschenwürde auch ohne Gottesglauben begründen – auf unterschiedliche Weise und mit überzeugenden Argumenten. Mir ist dabei vor allem das Resultat wichtig: Wenn mehrere unabhängige Denkrichtungen – etwa Vernunftethik, Menschenrechtsdenken oder Care-Ethik – zu einer sehr ähnlichen Schlussfolgerung gelangen, ist das für mich ein starkes Indiz, dass an dieser Idee etwas Substanzielles dran ist und sie nicht bloß eine religiöse Setzung ist.

Avatar von Simon

Danke für den Kommentar! Das Konvergenzargument ist ein interessanter Gedanke!

Ich sehe allerdings zwei Schwierigkeiten:

Erstens: Sind diese Denkrichtungen wirklich unabhängig? Vernunftethik (Kant war Lutheraner, sein kategorischer Imperativ reformuliert die Goldene Regel), Menschenrechtsdenken (die UN-Deklaration entstand im christlich geprägten Westen) und Care-Ethik (westliche akademische Tradition der 1980er). Sie alle entstammen demselben kulturellen Boden. Es ist eher so, als kämen drei Flüsse im selben Tal zusammen, die aber alle aus demselben Bergmassiv entspringen.

Wenn wir wirklich unabhängige Kulturen betrachten: Die Römer, Griechen, Azteken oder das hinduistische Kastensystem. Dann finden wir gerade keine Konvergenz zur universellen Menschenwürde. Sie ist historisch die Ausnahme, nicht die Regel. Das ist eher ein Argument für ihren spezifischen Ursprung.

Zweitens: Konvergenz zeigt, dass verschiedene Positionen dasselbe behaupten, aber nicht, dass sie es begründen können. Die Frage im Artikel ist ja: Woher kommt diese Würde? Wenn der Mensch nur ein komplexes biologisches System ist, was macht ihn dann kategorisch anders als andere Säugetiere?

Würde mich interessieren, wie du das siehst!

Avatar von Andreas Kovar

Das Tötungsverbot bzw. Prinzip des Nicht-Schadens gibt es in vielen Traditionen: Buddhismus (nicht Leben nehmen), Ahimsa in Hinduismus/Jainismus, sowie im Islam die Heiligkeit des Lebens. „Nächstenliebe“ bzw. Mitmenschlichkeit findet sich u.a. in Judentum/Christentum (Lev 19), Konfuzianismus (Ren), Mohismus (Sorge für alle) und Buddhismus (Metta).