Die Liebe, die alle suchen
Eine Liebe, die bleibt. Die nicht fragt, was sie dafür bekommt.
Suchst du sie auch?
Diese Liebe, die bleibt. Die nicht fragt, was sie dafür bekommt. Die nicht geht, wenn es schwer wird.
Vielleicht hast du sie gesucht – in Gesichtern, in Umarmungen, in Worten, die dich meinen sollten. In der Stille nach dem Streit. Im Blick, der dich halten sollte, wenn du fällst.
Und vielleicht hast du so oft nur ihren Schatten gefunden.
Bedingungen. Erwartungen. Eigennutz im Gewand der Zärtlichkeit.
Gibt es sie überhaupt – diese Liebe, die wirklich hält?
Es gibt ein Lied, das älter ist als du.
Geschrieben vor zweitausend Jahren, und doch klingt es, als wäre es für dich gedacht:
Die Liebe ist langmütig.
Sie wartet. Nicht weil sie muss, sondern weil sie kann. Sie drängt nicht, sie zerrt nicht, sie stellt keine Ultimaten.
Die Liebe ist gütig.
Sie will dein Wohl – nicht ihren Vorteil. Sie rechnet nicht auf, was sie gegeben hat. Sie führt keine Bücher.
Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf.
Sie braucht keinen Applaus. Sie macht sich nicht grösser, als sie ist. Und sie macht dich nicht kleiner.
Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil.
Nicht: Was bekomme ich? Sondern: Was brauchst du?
Sie lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach.
Sie erinnert nicht. Sie sammelt nicht. Sie hält dir nicht vor, was war.
Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit.
Auch wenn die Wahrheit unbequem ist. Auch wenn sie weh tut. Liebe und Wahrheit sind keine Gegensätze.
Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand.
Sie gibt nicht auf. Nicht bei der ersten Enttäuschung. Nicht bei der zehnten. Sie bleibt.
Hör noch einmal hin.
Langmütig. Gütig. Nicht eifersüchtig. Nicht überheblich. Nicht selbstsüchtig. Nicht nachtragend. Nicht zynisch. Ausdauernd. Hoffend. Glaubend.
Kennst du jemanden, der so liebt?
Liebst du so?
Es ist leicht, dieses Lied zu bewundern. Schwerer ist es, sich daran zu messen.
Denn wenn das die Liebe ist – die echte, die wahre, die einzige, die den Namen verdient –, dann stehen wir alle mit leeren Händen da.
Wir lieben. Aber wir lieben mit Vorbehalten. Wir lieben, solange es sich lohnt. Wir lieben – und werden müde.
Und doch.
Es gibt einen, der so liebt.
Der gewartet hat, als du dich abgewandt hast. Der gütig blieb, als du es nicht verdient hast. Der nicht nachtrug, was du vergessen wolltest. Der hofft, auch wenn du längst aufgegeben hast.
Diese Liebe wurde nicht beschrieben, weil jemand sie sich ausgedacht hat. Sie wurde beschrieben, weil jemand sie erfahren hat.
Sie kam – bevor du sie gesucht hast.
Vielleicht ist das die Liebe, die du suchst.
Nicht die, die du dir verdienen musst. Nicht die, die Bedingungen stellt. Nicht die, die verblasst, wenn der Alltag kommt.
Sondern die, die schon da ist. Die wartet. Die bleibt.
Die dich meint.
„Die Liebe hört niemals auf.”
(1. Korinther 13,8)

